Unterhalt - Unterhaltspflicht - Versorgungsausgleich

Die verschiedenen Trennungsphasen

Die verschiedenen Trennungsphasen
Das Ergebnis einer Trennung ist klar: Am Ende geht man als ehemaliges Paar getrennte Wege. Der Weg zu einer Trennung verläuft jedoch immer in verschiedenen Phasen, die – je nach Charakter und Temperament der beteiligten Personen – unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Denn auch wenn Trennung nicht gleich Trennung ist, verlaufen sie doch in vergleichbaren Phasen, die man voneinander abgrenzen kann. Diese Grenzen verlaufen in der Praxis allerdings sehr fließend. Außerdem erleben die Partner diese Phasen nicht parallel voneinander, sondern durchaus in einem unterschiedlichen Tempo und verschiedenen Bewusstseinsgraden für die Entwicklung der Beziehung. Natürlich gibt es hierbei immer noch den Mythos des sich in Freundschaft und Einvernehmen trennenden Paares und dies mag als Ausnahmeerscheinung auch vorkommen. Der Regelfall ist eine solch harmonische Trennung allerdings nicht, denn, was mit Leidenschaft zusammengefunden hat, trennt sich doch auch normalerweise mit einer ähnlichen Leidenschaft.

Die Phase der Unzufriedenheit
Diese Phase ist die erste Phase innerhalb einer Beziehung, die zu einer Trennung führen kann. Wichtig ist jedoch, dass jede Beziehung durch die Veränderungen der Menschen in ihr, immer wieder an solche Punkte kommen kann und dies nicht das Ende einer Beziehung bedeuten muss. An einem solchen Punkt ist einer der Partner unzufrieden mit dem Ist-Zustand der Beziehung und/ oder dem Partner. Diese Unzufriedenheit kann natürlich auch von beiden Partnern in einem unterschiedlichen Umfang ausgehen. Wenn es das Paar zu einem solchen Zeitpunkt schafft, über die Unzufriedenheit und die Veränderungen in einen positiven Dialog zu kommen, kann es sich gemeinsam weiter entwickeln und die Phase der Unzufriedenheit konstruktiv für sich nutzen. Hierzu gehört jedoch ein hohes Maß an Selbstreflexion und Bewusstsein sowie Wertschätzung für die Beziehung und den Partner. Oftmals geht die Unzufriedenheit und ihre spezifische Ursache jedoch unglaublich schnell im Alltagsgeschehen unter. Das häufig diffuse Gefühl der Unzufriedenheit breitet sich aus und etabliert sich im Blick auf den Partner sowie im Umgang miteinander. Man gewöhnt sich schnell an einen gereizten Ton gegenüber einander und verfestigt auf diese Weise die Unzufriedenheit und die Fremdheit im Verhältnis zum Partner. Hat sich die Unzufriedenheit erst einmal im Verhalten fest eingespielt, wird es sehr schwer, wieder an den Kern der Unzufriedenheit zurückzukommen und gemeinsam neue Lösungen zu finden. Vermeintlich unsinnige Streitigkeiten häufen sich, ohne dass hierbei über die Dinge gesprochen werden würde, welche die tatsächliche Ursache darstellen. Eine Lösung des eigentlichen Konfliktes wird mit diesen Stellvertreterstreitigkeiten aus dem Grund nicht erreicht. Eine Trennung wird zu diesem Zeitpunkt jedoch noch eher als Gedankenspiel angesehen oder als Drohung ausgesprochen.

Die Phase des inneren Abwendens voneinander
Auf die Unzufriedenheit folgt das Abwenden voneinander. Man ist zu diesem Zeitpunkt zwar von außen betrachtet noch ein Paar, trennt sich aber innerlich zunehmend voneinander. Diese Phase kann bei den beiden Partnern unterschiedlich verlaufen. Bei einer von einem Partner ausgehenden Trennung empfindet es oftmals derjenige, von dem sich am Ende des Trennungsprozesses getrennt wird so, dass er sich nicht von seinem Partner abgewendet habe. Je nachdem wie introvertiert der sich trennende Partner mit seiner vorherigen Unzufriedenheit und nun dem Abwenden umgeht, kann es für den anderen Partner auch tatsächlich schwer sein, die Zeichen zu lesen. In der Verantwortung des Verlassenden liegt es aber, die inneren Vorgänge des Anderen nicht wahrgenommen oder aber nicht ernst genug genommen zu haben und eben auch nicht einen positiven Dialog mit dem Partner hergestellt zu haben. Und dies ist schließlich auch eine Form des Abwendens von den Bedürfnissen des Anderen. Zu diesem Zeitpunkt innerhalb einer Trennung kann es vermehrt zu einmaligen Seitensprüngen oder auch zu längeren anderen Bindungen kommen. Solche Affären können zu regelrechten Trennungskatalysatoren werden und damit teilweise auch zu diesem Zeitpunkt in den Trennungsphasen zu einer Trennung führen. Die Fremdbeziehungen werden eingegangen, weil etwas vermisst wird und die Person jedoch von der Persönlichkeitsstruktur oder auch in seiner Position innerhalb des Beziehungsgefüges sich zu einem direkten Dialog und dem dadurch offen zu Tage tretenden Konflikts nicht in der Lage sieht. Ein Verhältnis ist also eigentlich eine Konfliktvermeidungsstrategie. Geschieht dies, ist es für den Betrogenen schwer, sich ohne die sich gewöhnlich anschließende Phase des ständigen Streits innerlich zu trennen. Er fühlt sich in einem doppelten Sinne betrogen und versucht oftmals Konfrontationen noch im Nachhinein herzustellen, um für sich abschließen zu können.

Die Phase des ständigen Streits
Nachdem sich beide Partner mehr oder weniger voneinander verabschiedet haben, folgt die Phase des ständigen Streits. Diese Phase kann für beide Partner extrem kräfteraubend sein, da sie sich hier regelrecht ineinander verbeißen, ohne jedoch an die Ursachen für die Aggressionen gegeneinander zu kommen. Es ist in dieser Phase eine Vielzahl von Stellvertreterstreitigkeiten, die oftmals in einem extrem vorwurfsvollen und den Gegenüber abwertenden Ton geführt werden. Je nachdem wie schwer die Partner voneinander loslassen können, kann diese Phase sehr lange dauern. Auch wenn diese Phase extrem kräfteraubend ist, ist sie jedoch psychologisch für die beiden sich Trennenden sehr wichtig. In dieser Phase bleibt von dem guten Umgang miteinander und den positiven Erinnerungen erst einmal wenig bis nichts mehr übrig. Auf diese Weise wird die Trennung auch für den Partner einfacher, der sich bislang mit diesem Gedanken zumindest von sich aus noch nicht aktiv auseinandergesetzt hat. Am Ende dieser zehrenden Phase mit all ihren Streitigkeiten steht bei einem der beiden Partner deutlich das Gefühl im Raum: Mit der Person an meiner Seite halte ich es nicht mehr aus.

Die Phase der Abschlussgespräche
Hat sich die Entscheidung zu der Trennung erst einmal bei einem der Partner manifestiert, folgt die finale Phase innerhalb der Trennung: die Abschlussgespräche. Hier ist es oft so, dass die Diskrepanz zwischen den Partnern und ihrem Bewusstseinsprozess in den ersten dieser Gespräche offen zutage tritt. Der Verlassene kann es nicht fassen und hinterfragt die Entscheidung zur Trennung häufig immer und immer wieder. Der Verlassende ist zu diesem Zeitpunkt emotional schon wesentlich gefasster und versucht – je nach Typ verschieden tatkräftig -, seine Entscheidung in die Tat umzusetzen. Eine Klärung ist zu diesem Zeitpunkt kaum mehr möglich. In den Gesprächen geht es vielmehr um einen Abschluss der gemeinsamen Geschichte und darum, die Modalitäten der Trennung zu besprechen. Diese Gespräche können auch noch andauern, wenn die eigentliche Trennung beispielsweise durch einen Auszug schon vollzogen ist. Sie dienen auch dann noch einer abschließenden Klärung und können nach und nach auch zu einem neuen positiven Umgang im neuen Verhältnis als Ex-Partner zueinander führen.

Jetzt ist sie/er weg und was ist mit mir? Das Überwinden einer Trennung.

Plötzlich ist sie Wirklichkeit geworden: die Trennung. Und mit ihr kommt ein neuer und manches Mal durchaus Angst machender Lebensabschnitt. Wie soll man mit dem neuen Lebensabschnitt umgehen? Wie soll man sich plötzlich nur noch als Ich denken und begreifen und nicht mehr als ein Teil von einem Wir? Und wann ist man innerlich eigentlich wirklich getrennt, wenn sich der Partner von einem getrennt hat? Was verändert sich an einer Trennung, wenn ich meinen Ex-Partner immer noch sehen muss, weil wir beispielsweise Kinder haben? Und wie gehe ich mit den schönen Erinnerungen um? Lasse ich sie mir von der Trennung und der schwierigen Zeit vor ihr nehmen? – Eine Trennung wirft gerade für denjenigen viele Fragen auf, der sie als Verlassender erleben muss. Genau wie eine Trennung ist auch die Zeit nach ihr in verschiedene Phasen unterteilt, die verschieden lange und intensiv erlebt werden.

Trauer und Wut – Emotionen zulassen
Als erste Reaktion auf eine Trennung folgt in der Regel eine hoch emotionale Zeit. Man fühlt sich unglücklich, heult tagelang und/ oder verlässt die Wohnung oder gar das eigene Bett nicht mehr. Auch wenn man sonst nicht zu Gefühlsausbrüchen neigt, wirbelt diese Zeit das eigene Gefühlsleben in jedem auf und lässt alle möglichen lang vergrabenen Emotionen zum Vorschein kommen. Auch wenn man sich in dieser Zeit oftmals selbst fremd vorkommt, sollte man die Emotionen zulassen. Gut ist es, wenn die Umstände es in dieser Zeit erlauben, dass man den Ex-Partner zu dieser Zeit nicht sieht. Es hilft keinem nach einer Trennung noch einmal zusätzlich mit Vorwürfen oder vielen Fragen immer alte Wunden aufzureißen oder neue Wunden hinzuzufügen. Um sich wirklich konstruktiv mit dem Ex-Partner unterhalten zu können, benötigt man mehr Abstand als man zu diesem Zeitpunkt verständlicherweise bereits hat. Es ist für einen selber wichtig, dass man sich auf die eigene, subjektive Sicht der Dinge konzentriert und den Verletzungen erst einmal einen Raum gibt. Bei den meisten Trennungen verabschiedet man sich automatisch auch von einigen Vorstellungen in Bezug auf das eigene Leben. Man kann die Fragen, Vorwürfe, etc., die man zu dieser Zeit hat, aufschreiben – als einen Brief an sich selber oder auch an den ehemaligen Partner, den man allerdings behält.

Freunde mobilisieren und den tristen Alltag aufmischen
Nach der Trennung muss man nicht nur sich selber neu definieren, man muss auch ganz pragmatisch seinen Alltag neu strukturieren. Hat man bislang den Samstag gemeinsam einen Bummel über den Markt gemacht und danach gemütlich Zuhause gekocht, so erstrecken sich diese Stunden jetzt in einer unendlichen Länge vor einem. Für viele Neu-Singles ist besonders der Sonntag ein schrecklicher Tag, an dem sie sich vermeintlich ausschließlich von glücklichen Paaren und Familien umgeben sehen. In den seltensten Fällen stimmt das. Geht man einmal seine Freunde und Bekannte durch, findet sich in der Regel jemand, dem es ähnlich geht oder der möglicherweise länger Single ist und bereits einige Freizeitideen hat, die er oder sie gerne teilt. Außerdem haben die meisten Menschen, Hobbys, die sie in der Zeit einer Beziehung vernachlässigt haben. Und wenn noch kein Hobby, dann zumindest ein Interesse, dem man nicht nachgegangen ist, weil es irgendwie mit dem ehemaligen Partner und der gemeinsamen Freizeitgestaltung nicht kompatibel schien. Jetzt ist aber genau der richtige Zeitpunkt, den lang aufgeschobenen Yoga-Kurs zu belegen, den bislang nur aus der Ferne bewunderten Tango selber ohne hämische Kommentare zu lernen oder auch wieder regelmäßig Tennis zu spielen. Man sollte sich nicht ausschließlich in die Arbeit werfen, sondern auch etwas Zeit und Energie in die neu gewonnene Freizeit investieren. Es tut einem gut, in dieser Phase positive Ereignisse in den Alltag fest zu integrieren, damit man sich in seinem neuen Leben wohl fühlt. Mit einer Trennung erhält man die Chance, sich neu kennenlernen zu können und sich ohne Rücksicht auf eine andere Person entfalten zu können.

Abstand gewinnen
Indem man sich auf sich selber und das (Neu-)Kennenlernen von sich konzentriert, gewinnt man automatisch den wichtigen Abstand, den man benötigt, um die gescheiterte Beziehung in ihrer realen Dimension innerhalb des eigenen Lebens verstehen zu können. Auf diese Weise kann man sich von ihr und dem ehemaligen Partner verabschieden und in die Zukunft schauen. Natürlich ist das kein Vorgang, der immer nur in eine Richtung läuft. Es ist normal, dass man immer wieder unglücklich ist und sich in die vertraute Sicherheit der beendeten Beziehung zurückwünscht. Es ist zunächst einmal leicht, in einem solch labilen emotionalen Zustand einfach die alte Beziehung durch eine neue Beziehung zu ersetzen. Allerdings bringt ein solches Verhalten immer nachfolgende Probleme mit sich. Solange man nicht mit einer Beziehung für sich abgeschlossen hat, kann man sich selber und damit auch keinem anderen Partner gerecht werden. Das Chaos nach einer Trennung muss leider – mit Ausnahme von guten Freunden und Familie – alleine überwunden werden. Dies geht nur mit räumlichem und zeitlichem Abstand vom ehemaligen Partner und der gemeinsamen Zeit sowie einer Auseinandersetzung mit sich selber, die nicht immer einfach ist.

Resümee ziehen und abschließen
Hat man erst einmal Abstand gewonnen, kann man noch einmal auf die Briefe der ersten Phase zurückschauen. Oftmals sind die damaligen Fragen mit dem neuen Blick nicht mehr relevant. Die offenen und sich häufig selbst zerfleischenden Fragen der Trennung verlieren deutlich an Wichtigkeit, wenn man eine eigene Sicht der Dinge gefunden hat und auf diese Weise mit der Beziehung abgeschlossen hat. Manche Fragen bleiben nach gescheiterten Beziehungen offen und in vielen Dingen wird man mit einem ehemaligen Partner nicht mehr auf einen grünen Zweig kommen – dies gilt es ohne Bitterkeit zu akzeptieren. Häufig sind es Ego-Fragen, die einen unnötig quälen und von einem Abschluss zurückhalten. Die Sicht des Ex-Partners auf einen, ein möglicher und natürlich verletzender Betrug – das sind Dinge der Vergangenheit, welche die eigene Gegenwart nicht mehr bestimmen sollten.

Einen neuen Umgang finden
In manchen Fällen wird man nach einer Trennung vor die besondere Herausforderung gestellt, einen neuen Umgang mit dem ehemaligen Partner zu finden. Hat man gemeinsame Kinder, ist dies gerade für diese wichtig, dass sich die Eltern nicht zerfleischen sondern zumindest zu einem höflichen und fairen Umgang miteinander finden. Das dies selten unmittelbar nach einer Trennung bei jedem Aufeinandertreffen möglich ist, ist leider der Menschlichkeit beider ehemaligen Partner geschuldet. Den Kindern zuliebe sollte man jedoch schnell zu fairen Umgangsregelungen finden. Kommt es zu einer Auseinandersetzung, sollte diese nicht im Beisein der Kinder stattfinden. Bei einer schwierigen Trennung sollten niemals die Kinder instrumentalisiert werden – Konflikte und Ärgernisse müssen mit Freunden besprochen werden. Gibt es auf einer Seite schnell einen neuen Partner, der auch mit den Kindern Umgang haben soll, wird das in der Rege zu mehr oder weniger offenen Konflikten zwischen den beiden ehemaligen Partnern führen. Von beiden Seiten sollte mit dem ehemaligen Partner sensibel umgegangen werden. Denn auch wenn sich der gemeinsame Lebensweg getrennt hat, kann einem das Wohlergehen des anderen Elternteils der Kinder nie ganz egal sein.

Die rechtliche Seite einer Trennung
Neben der emotionalen Seite einer Trennung gibt es bei langjährigen Beziehungen mit gemeinsamen Eigentum oder Kindern sowie bei Ehen stets auch rechtliche Aspekte einer Trennung. Für das eigene Selbstbild sowie das Portmonee und das Nervenkostüm und um die gemeinsame Zeit in der Erinnerung nicht weiter negativ zu verfärben, ist es gut, wenn man sich hier um Fairness bemüht. Wichtig für eine solch faire Herangehensweise ist es, das Emotionale vom Pragmatischen zu trennen. Das emotionale Chaos muss nach einer Trennung jeder der ehemaligen Partner für sich sortieren. Bei den rechtlichen Belangen müssen sie sich an einen gemeinsamen Tisch begeben und nach Möglichkeit gemeinsam gute Lösungen füreinander finden. Rechtliche Ansprüche sind natürlich noch immer im Falle einer Scheidung klarer geregelt, aber im Falle einer Trennung einer Paarbeziehung ohne Trauschein gibt es ebenfalls zunehmend Richturteile.

Trennung einer Ehe
Im Falle einer Ehe folgt auf die Trennung erst einmal das obligatorische Trennungsjahr. Das frühere Schuldprinzip gilt immerhin bei der Scheidung nicht mehr und so muss nicht einer alleine als Schuldiger angeführt werden. Innerhalb des Trennungsjahres soll den Eheleuten noch einmal die Gelegenheit gegeben werden, über ihre Entscheidung zur Trennung in all ihrer Konsequenz nachzudenken. In Deutschland ist eine schnellere Scheidung nur in absoluten Härtefällen möglich, so wie beispielsweise im Falle von Misshandlung. Ein Trennungsjahr bedeutet überdies nicht, dass einer der Eheleute die gemeinsame Immobilie – ob gemietet oder Eigentum – sofort verlassen muss. Es gilt auch als Trennungszeit, wenn jeder der vormaligen Partner ein eigenes Zimmer bewohnt und selbständig kocht und wäscht. Wichtig ist, dass zwischen den beiden ehemaligen Partnern Einigkeit über den genauen Zeitpunkt der Trennung besteht. Wer sicher gehen will, legt diesen schriftlich fest. Das Trennungsjahr gilt überdies nicht als unterbrochen, sollten die Eheleute noch einmal über einen Zeitraum von bis zu drei Monaten einen Versuch starten, die Ehe zu retten. Lebt man als Ehepaar länger als drei Jahre getrennt, benötigt keiner der Ehepartner mehr die Zustimmung des anderen für die Scheidung. Der Scheidungsantrag muss immer durch einen Rechtsanwalt gestellt werden. Ein gemeinsamer Anwalt ist nur dann ratsam, wenn man sich in den entscheidenden Konditionen der Trennung wie den Unterhaltszahlungen, dem Sorgerecht oder auch der Hausratsverteilung einig ist. In solch einem Fall spricht man von einer einvernehmlichen Trennung. Bei der sogenannten streitigen Scheidung werden die Konditionen der Trennung beider Parteien mit Hilfe der Rechtsanwälte ausgehandelt.

Was geschieht mit den Kindern?
Im Falle des vorherigen gemeinsamen Sorgerechts, wie in einer Ehe automatisch, muss gemeinsam entschieden werden, wo die Kinder nach der Trennung leben. Sollte hier keine Einigung möglich sein, werden die Modalitäten vor dem Gericht zum Wohle der Kinder ausgehandelt. Im Falle einer Scheidung werden die Kinder ab dem fünften Lebensjahr zu ihren Wünschen befragt. Ab 14 Jahren haben sie das Recht mitzuentscheiden. Fragen bezüglich des Sorgerechts werden bei gemeinsamem Sorgerecht auch ohne Trauschein nach einer Trennung vor dem Gericht verhandelt. Über den Antrag auf alleiniges Sorgerecht entscheidet hierbei das Vormundschaftsgericht. Im Umbruch begriffen ist aktuell die rechtliche Situation für Väter nach dem Beziehungs-Aus, deren Rechte in Bezug auf die Kinder gestärkt werden sollen. Hier helfen Beratungsstellen für Väter bei Nachfragen, sowie im Eherecht als auch nach der ‚einfachen’ Trennung.

Fragen des Unterhalts
Nach einer Scheidung muss dem Elternteil Unterhalt gezahlt werden, der hauptsächlich die Kinderbetreuung leistet und dessen Erwerbsfähigkeit dadurch eingeschränkt ist. Die Höhe des Unterhaltes wird bemessen am Lebensstandard vor der Trennung. Die Unterhaltsreform sorgt seit Anfang 2008 dafür, das der die Kinder betreuende Partner sich schneller wieder um einen tragfähigen Beruf kümmern müssen. Anrecht auf Betreuungsunterhalt besteht nur noch bis zum dritten Geburtstag des jüngsten Kindes. Allerdings wird von dieser Regel noch häufig abgewichen, da Alleinerziehenden nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes nicht in jedem Fall ein Vollzeitjob ab diesem Zeitpunkt zumutbar sei. Schlechte Karten haben Ex- Frauen nach einer kinderlosen und weniger als sieben Jahre anhaltenden Ehe: Kinder werden in Fragen des Unterhaltes vorrangig behandelt. Rentenansprüche werden übrigens im Zuge des Versorgungsausgleichs ebenfalls umverteilt.

Unser Heim – deins oder meins oder immer noch unsers?
Das Wichtigste zuerst: Mit Ausnahme von Härtefällen kann niemand aus der vormals gemeinsamen Wohnung gezwungen werden. Nicht einmal im Falle von Eigentum. Vor Gericht gelten Faktoren, wie die Kinderbetreuung oder auch Nähe zum Arbeitsplatz bei Mietimmobilien. Ebenfalls gut zu wissen: Solange der gemeinsame Mietvertrag besteht, haften auch beide Parteien für die Miete. Im Falle von gemeinsamem Eigentum wird vom Gericht ein finanzieller Ausgleich für den ehemaligen Partner festgelegt, der die Immobilie nicht mehr bewohnt. Ohne Gütertrennung muss der Wertzuwachs der nur von einem der Ex-Partner besessenen Immobilie ebenfalls bemessen werden.

Die lästige Hausratsauflösung
Als erste Grundregel gilt: Jeder behält, was er in die Beziehung mitgebracht hat. Eine Inventarliste des restlichen Hausrats, inklusive dem Auto oder der Autos, erleichtert die Aufteilung enorm. Hier sollte auch der aktuelle Wert der Gegenstände aufgeführt werden, nach dem sich die Aufteilung richtet. Ausgleichszahlungen sind hier eher selten, da bei dieser Aufteilung die Zweckmäßigkeit im Vordergrund steht: Einbauten verbleiben in Wohnungen etc. Geschenke bleiben im übrigen Geschenke und gehören dem Beschenkten. Hochzeitsgeschenke sind die einzigen Geschenke, die geteilt werden müssen.

Gemeinsames Konto und nun?
Bis zur rechtskräftigen Scheidung haben beide Ehepartner das Recht über das gesamte Guthaben zu verfügen. Um Klarheit zu bewahren, bietet es sich so an, nach entschiedener Trennung das gemeinsame Konto mit einem datierten und aufbewahrten Auszug zu je 50 % aufzulösen. Für die Einzelschulden haftet im Übrigen auch in einer Ehe jeder der Partner. Hat in der Zeit der Ehe einer der Partner dem anderen beim Tilgen von Einzelschulden geholfen, so ist nach der Trennung hierfür sogar ein Ausgleichsforderung möglich. Nur ein gemeinsam unterzeichneter Kreditvertrag muss auch zusammen abgelöst werden – völlig unabhängig von der Verwendung des Geldes. Will man dies mit der Scheidung auflösen, bleibt jedem nur die Umschuldung.

Bausparen und Versicherungen
Sowohl im Falle von Bau- als auch Ratensparverträgen oder Kapitalrisikoversicherungen gilt der als Besitzer, dessen Name eingetragen ist. In den Zugewinnausgleich werden diese bei einer ehelichen Zugewinngemeinschaft trotzdem einbezogen. Um die Ermittlung des Zugewinnausgleiche in Zukunft fairer zu gestalten und zu verhindern, dass der vermögendere Partner Vermögen beiseite schafft, wird aktuell eine Reform des ehelichen Güterrechts auf den Weg gebracht.



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